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Möglichkeiten und Grenzen der Aufstellungsarbeit

Mit der Aufstellungsarbeit und mit den Aufstellungen auf dem Horoskoprad hält der Anbieter zwei mächtige Werkzeuge in der Hand, um Menschen auf ihrem Weg ins eigene individuelle Leben zu begleiten, aus Konfliktsituationen herauszuhelfen und aus einer Stagnation heraus wieder in Bewegung  zu kommen.

Dennoch sind die Möglichkeiten begrenzt und von Faktoren abhängig, die nicht in der Hand des Therapeuten liegen oder durch irgendein Instrument überwunden werden könnten. Manche innere Bewegung braucht Zeit, den richtigen Zeitpunkt, einen eigenen Weg oder Ort und ein eigenes Tempo.
Franz Ruppert hat in seinem neuen Buch: Symbiose und Autonomie im Kapitel: Therapeutische Irrwege ausführlich dazu Stellung bezogen. Er hat mich dazu inspiriert, selbst auch zu diesem mir am Herzen liegenden Thema und einigen „kreisenden“ Missverständnissen Stellung zu beziehen.

In einem Familiensystem muss nicht alles aufgedeckt werden. Das bereits Bekannte ist meist ausreichend um arbeiten zu können. Der andauernde Blick nach hinten verhindert außerdem den Blick nach vorne. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Blick in die Vergangenheit und dem Blick in die Zukunft ist anzustreben. Insbesondere Familiengeheimnisse dienen einerseits dem Schutz der Nachkommen und stellen oft eine besondere Lebensaufgabe dar, an der die Nachkommen z.B. wachsen können, wenn sie auf Aufdeckung verzichten lernen. Aufstellungen sind nicht in der Lage, einem Hellseher ähnlich in die Zukunft zu blicken und eine gewünschte Partnerschaft vorauszusagen oder herbeizuholen. Sie können auch nicht eine unklare Vaterschaft klären, dies kann nur der Gentest.

Aufstellungen klären Beziehungen und ermöglichen eine bestimmte Sichtweise zu verändern. Dies hat zur Folge, dass z.B. der Platz für einen Partner frei wird. Dies gilt auch für die Beziehungen zu den Ahnen und den bereits  Verstorbenen, deren Verstrickungen nicht durch den Aufstellenden gelöst werden können. Der veränderte Blick auf die Ahnen lässt sie anders ansehen – mit ihren Verstrickungen.

Franz Ruppert schreibt, dass Engel, Urkräfte, Urmutter Ressourcen von Außen sind, die die Überlebensanteile des Klienten unterstützen, und die gesunden Ressourcen außer Acht lassen. Die Lücke zwischen einem empfundenen Leid und dem Nichtverstehen sollte nicht durch Erklärungsversuche (frühere Leben oder ungeborener Zwilling) überbrückt werden. Spirituelle Wege sind kritisch zu betrachten: Sie bieten oft Stärkung, um sich auf den Weg zu machen und ein Leid durchzustehen. Insbesondere Meditation und Bewußtwerdungstechniken helfen, den Sinn einer Situation und des Lebens zu erkennen, die eigenen Möglichkeiten und Begrenzungen anzunehmen und zu tiefen Einsichten über sich und in Zusammenhänge zu bekommen. Geschieht dies nicht in einem Zusammenhang  mit tiefer seelischer Arbeit, besteht die Gefahr sich in Allmachtsgedanken, Halbwahrheiten zu verlieren und ohne Bodenhaftung auf der Flucht zu sein.

Auch der Therapeut lebt mit eigenen Überlebens- und Helferstrategien. Auch ich bin dabei in einem eigenen Prozess.

Und gleichzeitig ist mir die Begleitung des Klienten in seine eigene Verantwortung und Autonomie ein besonderes Anliegen.