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Über die Wirkung von Klängen und Musik


Schon immer ein aktiver und passiver musikalischer Mensch in vielfältiger Ausrichtung, lernte ich vor ca. zehn Jahren eine Art von Musik kennen, die ich zunächst für mich persönlich nutzen wollte: Das Chanten.

Chanten ist mehr als SIngen. Die Kraft der gesungenen Lieder wirkt und klingt nach. Es handelt sich dabei um einfache Melodien, die in Verbindnung mit SIlben und Wörtern in Sprachen gesungen werden, die ich ansonsten nicht spreche (arabisch,aramäisch, finnisch, hebräisch, jüdisch, kroatisch, serbisch...). DIe Lieder stammen aus verschiedenen Ländern, sind Jahrtausende alt, haben spirituelle Hintergründe und zum Teil eine uralte  Tradition. Sie haben schon immer die Menschen zur Gemeinschaft verholfen und wurden als Heilgesänge eingesetzt.Dies ist spürbar: Der Kopf wird frei, der Verstand kommt zur Ruhe, der Atemraum vergrößert sich und der Körper wird durchblutet. Wie von einer weichen Welle werden Körper, Geist und Seele umspült. Oft fühlt man sich durch das Chanten zart, zärtlich, sensibel und offen. Über die Klänge wird die Schwingungsebene erreicht, die direkt in die Mitte zum Herzen führt und die die Seele weit, warm und ruhig macht. In jedes neue Lied kann man sich sehr schnell einstimmen und einfach mitsingen. Mitreißend sind die begleitenden Gitarrenklänge, die in höchste Höhen und tiefste Bässe führen. Alle singen mit, obwohl manche sagen, sie könnten gar nicht singen. Aber es gelingt sogar mehrstimmig und im Chor.

Die Wiederholung der Rhythmen und Gesänge bringt in Bewegung und schafft Vertrauen, Geborgenheit und Aufgehobensein in etwas Größerem. Wenn der Verstand abschaltet, hören wir mehr und können uns anderen Dimensionen öffnen. Pausen und Innehalten lassen spüren, wie tief es geht. Über die eigene Stimme sind wir angeschlossen an eine Kraft, die schon immer da war. Das Energiefeld breitet sich aus, je länger eine Gruppe zusammen ist und es kann eine Heilkraft fließen, die für sich selbst und andere da ist.

Immer wieder können Instrumente eingesetzt werden, die die Gesänge und deren Wirkung unterstützen. DIe obertonreichen Instrumente haben eine harmonisierende und öffnende Wirkung auf die uns innewohnenden Schwingungen. Das Monochord öffnet das Herz, Klangschalen lösen Ängste und öffnen das Herz. Trommeln bringen fehlende Energie zurück, wirken stark befreiend und helfen die dunklen Seiten zu spüren und zum Ausdruck zu bringen. Klaviertöne lassen Gefühle bewußter wahrnehmen und blockierende Hindernisse überwinden.

Die Reduzierung der Musik auf die Stimme und einfache Instrumente führte mich zurück zu den Wurzeln der Musik, dem Rhythmus. In Form von Taketina geschieht der Zugang durch Stimme, Klatschen, Schritte und call-reponse-Gesänge auf eigene Weise. Die Gleichzeitigkeit von an sich Widersprüchlichem führt letztlich zur Integration von Denken/Fühlen, Intention/Hingabe, Tun/Geschehenlassen.

Es lag nahe, eines Tages all das Wunderbare mit meiner Aufstellungsarbeit zu verbinden. In Wolfgang Friederich habe ich einen Musiker und Arzt kennengelernt, der an diesem Experiment sehr interessiert war und auch schon Erfahrungen gesammelt hatte.

Zu Beginn setzten wir diese Musik nur vor oder nach den Aufstellungen ein, um die Gruppenteilnehmer einzustimmen, den Raum für Verarbeitung zu ermöglichen und gleichzeitg die Schwingungsebene aufrecht erhalten zu können. Inzwischen sind wir mutiger geworden und nutzen die Kraft auch während der Aufstellungen. Dabei gilt es abzuwägen, ob es sinnvoll ist, sich von den Klängen weitertragen zu lassen oder lieber innezuhalten, um dem Gewicht des Vorhandenen Raum zu geben.

Ansonsten bringen die Klänge in Fluss, was stockt, seien es Gefühle, Energien oder Gedanken. Sie öffnen das Herz, halten die Seelenebene oder verschaffen Zugang zu ihr, bieten die Möglichkeit, Energien udn Gefühle abfließen zu lassen und die Gruppe zu sammeln oder miteinander zu verbinden.

Die Reaktionen der Teilnehmer bestätigen uns mit ihren Kommentaren. Tiefe Prozesse sind möglich und das Absinkenlassen oder Zurücklasen der Seelenbilder - der eigenen und der von anderen - ist leichter möglich.

September 2011